Malin Kuht

Die vorgestellte Arbeit OFFREAL, entstand aus der Beschäftigung mit Benutzer_innenoberflächen, welche die Schnittstelle von Mensch und Maschine sind. Nach Wendy Chun sollen diese Schnittstellen, die „unheimlichen“ Maschinen „freundlicher“ machen, damit Menschen, ohne technisches Verständnis, diese Maschine trotzdem benutzen. In diesem Zusammenhang fällt immer wieder das Wort der „intuitiven“ Benutzbarkeit. Daher wird in der Regel, auf bereits bekannte (intuitive) Wissensbestände zugegriffen, in meiner Recherche lag der Fokus auf verbaler Sprache. Zwischenmenschliche Kommunikation ist das Modell anhand dessen die Sprachassistenz simuliert wird. Daher wollte ich Parameter von menschlichen Beziehungen in diesen Programmen untersuchen, vor allem Hierarchien und intime Beziehung(en).
Bei den bestendenden Sprachassistentinnen, wie Alexa, Cortana, Siri und Google Home ist sofort aufgefallen, dass alle „weibliche Stimmen“ als Voreinstellung haben. Diese Tatsache wird unterschiedlich interpretiert und reicht von „Frauen verkaufen eben Waren besser“ (Verbindung zwischen Kapitalismus und Sexismus) hin zu, „Frauenstimmen werden als angenehmer wahrgenommen“ (psychologische Begründungen).

Die Referenz einer Stimme auf einen ‚realen‘ Körper bleibt also auch bei künstlichen Stimmen/ Systemen bestehen. Die Rückkopplung zu ‚weiblichen‘ Körpern erscheint vor allem deutlich, wenn die Assistentinnen mit Diskriminierenden Aussagen konfrontiert werden, welche im Internet sowohl kritisch als auch ‚humorvoll‘ dokumentiert und analysiert werden.
Zudem ist mir aufgefallen, wie sehr Menschen affektiv zu diesen Geräten über die Stimme eine Verbindung aufbauen können und die wenig Relevanz es hat, ob es irgendwo ‚hinter der Maschine‘ einen Menschen gibt. Diese posthumanen Beziehungen lassen sich durch die Avatars in OFFREAL artikulieren.

OFFREAL zeigt die fiktiven Unterhaltung von zwei Avatars, namens Allison und Ashley. Sie reden über ihr Aussehen und ihre Aufgaben, und erscheinen durch ihr ‚kritisches Bewusstsein‘ menschlicher. Schlagwortartig, regieren sie auf die andere. Diese Arbeit nimmt eine techno-feministische Perspektive ein, über die ich gerne in weiteren Austausch kommen würde.

Malin Kuht studiert seit 2014 Politikwissenschaften und Visuelle Kommunikation in Kassel. Als politische Bildnerin und Kunstvermittlerin ist sie für verschiedene Institutionen tätig, unter anderen die documenta14 und dem Fachbereich Poltische Theorie an der Universität Kassel. Sie unterstützt das Netzwerk NSU Komplex auflösen und beschäftigt sich theoretisch und praktisch mit Repräsentation und Netzwerkkultur innerhalb der gesellschaftlichen Machtverhältnisse. Ein besonders Interesse gilt den Politiken und Poesien des Technofeminismus und des Neuen Materialismus. Zu erreichen ist sie unter: malin@kuht.de. Instagram: massenmedien