Ralph Fischer

Spurensuche am heimgesuchten Ort: Der Ground Zero Sonic Memorial Soundwalk

Mein Vortrag analysiert die audioästhetischen Strategien des Ground Zero Sonic Memorial Soundwalk – ein Audio- Walk, der von den Gruppen „Soundwalk“ und „Kitchen Sisters“, im Jahr 2002 entwickelt worden ist.

Schauplatz des Ground Zero Memorial Soundwalk ist jener, im höchsten Maße politisch und symbolisch aufgeladene Ort in Manhattan, an dem am 11. 09. 2001 die Türme des World Trade Centers eingestürzt sind. Der Rezipient wird mit Audio Equipment und Kopfhörern ausgestattet. Die Stimme des Erzählers Paul Auster weißt ihm den Weg bei seinem Gang entlang Ground Zero. Eine Polyphonie aus Stimmen, Geräuschen und Musik dringt aus den Kopfhörern: Historiker, Feuerwehrleute, Architekten, Medienkünstler, Musiker und Angehörige von Opfern melden sich zu Wort und teilen ihre Erinnerungen, über unwiederbringlich Verschwundene(s). Die akustischen Signale auf der Ton-Spur verleihen dem Abwesenden eine machtvolle Gegenwart.

In Auseinandersetzung mit jener Topographie der Erinnerung, die dem historischen Schauplatz im südlichen Manhattan eingeschrieben ist, entfaltet der Ground Zero Sonic Memorial Soundwalk ein komplexes Netzwerk aus historischen Fakten, Erzählungen und Assoziationen, eine Szenographie der Heimsuchung, in der das Vergangene, die Gegenwart und eine (potentielle) Zukunft einen Spielraum findet.

Ralph Fischer (Dr. phil.)
* 1972 in Alzey, Deutschland.
Studium der Theaterwissenschaft mit den Nebenfächern Germanistik,Kunstgeschichte und Gender Studies an der Johannes Gutenberg Universität Mainz und der Universität Wien.
Mitarbeit bei zahlreichen Theaterprojekten in den Bereichen Dramaturgie, Bühnentechnik,Regie und Schauspiel.
Junior Fellow am Internationalen Forschungszentrum für Kulturwissenschaften (IFK) in Wien (2005- 2006).
Visiting Scholar am Department of Performance Studies an der New York University (2007- 2008).
Promotion am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien. Abschluss des Doktoratsstudiums mit Auszeichnung im Mai 2010. Titel der Dissertation: Walking Artists. Gehen in den performativen Künsten.
Seit Oktober 2010 Studienleiter für Kulturwissenschaft und Stadtgesellschaft an der evangelischen Stadtakademie Römer9 in Frankfurt am Main.

Publikationen (Auswahl)
Monographien:
Walking Artists. Über die Entdeckung des Gehens in den performativen Künsten. Bielefeld: Transcript, 2011.
Der hinkende Vogel verfremdet den Flug. Physische Verfremdung bei Heiner Müller. Peter Lang: Frankfurt a. M, (erscheint 2012).

Aufsätze in Herausgeberschriften und Fachjournalen (Auswahl):
Let’s walk together: Partizipatorische Strategien in den Walking Performances der britischen Gruppe Wrights & Sites. In: Prinz-Kiesbüye, Myrna-Alice/ Schmidt, Yvonne/ Strickler: „Theater und Öffentlichkeit.“ Bern: 2012, Chronos.
„Like she’s still here“: Zur Präsenz der Absenz in Janet Cardiffs „Her long Black Hair“. In: Alge, Barbara/ Pillgrab, Daniela (Hrsg.): „Inszenierung von „Weiblichkeit“. Zur Konstruktion von Körperbildern in der Kunst.“ Wien: Löcker, 2011, S. 131- 146.
Capturing Absence: Walking Performance and Photography. In: About Performance No 8, 2008, S. 91 – 108.
Walking Artists: Der menschliche Gang in den performativen Künsten. In: Wespennest 147, 2007, S. 58- 61.