Jakob Friedl

Europabrunnendeckel

Ich gründete den „Förderverein für unter- und überirdische UrbanismusForschung/Fvfu-uüiUF.e.V“, um auf um und unter dem Europabrunnendeckel, einen Begegnungsort für Alltagskultur und Kunst zu schaffen.
Eigentlich sollte hier, am südlichen Tor zur Regensburger Altstadt, vor 7 Jahren der Europabrunnen entstehen, (siehe Url), ein 6 meter hoher Glaskasten (der die Leuchtreklame von Mc Donalds überragt) in dem je mehr Wasser die Wände herab (oder herauf) fällt, je mehr Leute über die Ampel gehen. Durch dieses Spektakel ins Innere gelockt sollten die Besucher auf Gitterrosten, über drei meter tiefem Wasser stehend, Stadtgesprächen aus aller Welt lauschen und sich dann auf einer Eisenbank hinter dem Brunnenplatz ausruhen.
Da die Kosten für eine Fertigstellung zu hoch waren deckelte man das Brunnenbecken ab, versteckte den Sarkphag hinter Blumenkästen und verschob den Finanzposten von Jahr zu Jahr.
Seitdem ist der zentral gelegene Europabrunnendeckel nicht nur Endpunkt der realisierten Stadtplanungen Richtung Bahnhof, sondern auch beliebter Treffpunkt für Schüler und Skatespot, ebenso die umliegenden Bänke.
Anfang des Jahres legte ich den zuständigen Stellen der Stadt Konzepte für eine künstlerische Zwischennutzung des brachliegenden Europabrunnens vor und fand dabei Ansprechpartner und Unterstützer. Erklärtes Ziel des Projektes und des Vereins ist es einen Spielplatz für alle Bevölkerungsgruppen zu schaffen und durch eine Aufwertung des Ortes neue Sichtweisen und Umgangsformen zu ermöglichen.
Zentraler Bestandteil meines Projektes ist eine Stampfscheibe, die als Interface dient, und mit der jeder Fragen beantworten und selbst Fragen stellen kann, die der Computer in der darunterliegenden Kunstwerkstatt speichert und permanent wiedergibt. Von Zeit zu Zeit bekommt der Computer ein Torrettsyndrom…..
Seit Mitte Juni arbeitete ich als Initiator und bislang größter „Finanzier“ täglich am Europabrunnendeckel. Zusammen mit befreundeten Helfern erschloss ich den verwahrlosten Ort für eine kulturelle Nutzung: Wir brachten eine Klappe an, entmüllten das Brunnenbecken, stellten zeitgemäße Blumenkübel auf, legten einen Stromanschluß, bauten Fenster und eine Treppe, richteten eine Kunstwerkstatt ein und renovierten den alten Brunnendeckel, so dass es nicht mehr hereinregnen kann. Es entstand ein Ort, an dem sich die experimentelle Gestaltung des öffentlichen Raums und von Kunst unmittelbar und spontan ausprobieren und vermitteln läßt – umgeben von einem urbanen Spielplatz. Trotzdem bleibt es auch der Fressplatz vom Mc Donalds; in diesem Spannungsfeld gilt es weiterzuarbeiten.

In meinem Vortrag möchte ich das Europabrunenndeckelprojekt vorstellen, das sich zwischen banalen Bauarbeiten zu unmöglichen Zeiten, Architektur, Gemeinwesen- und Sozialarbeit, Skateboardfahren und einer stetig sich verändernden Kunst bewegt, der es schwer fällt terminlich auf den Punkt zu kommen (und so als solche erkannt zu werden), aber ganz sicher die Grenzen des in meiner Stadt dagewesenen sprengt und nebenbei meiner Internetseite immer ähnlicher wird.

mehr dazu irgendwann unter: europabrunnendeckel.de

Jakob Friedl, geb 1979, Bildhauer, Studium an der Adbk Nürnberg Meisterschüler von Marko Lehanka, Aufbaustudiengang Kunst und öffentlicher Raum bei Prof. Simone Decker.
Jakob beschäftigt sich seit den Anfängen seiner künstlerischen Tätigkeit damit seine Kunst an „kunstfernen“ Orten einer breiten Öffentlichkeit vorzu-stellen/machen.
Zeichnend auf dem Fahrrad, 242 mal die steinerne Brücke überquerend oder an der Börse Geld ausgebend.
Er arrangiert Installationen bei denen zufällig Vorbeikommende den „wesentlichen“ Teil der Arbeit tun z.B mit Hilfe eines Holzkopierers, der Maulwurftelephonanlage „Festnetz“ oder der Pfeifen Sie nach dem Sprechtonmaschine.(Youtube Url: http://www.youtube.com/watch?v=4a_mq_YrFus)

http://www.regensburg.de/kulturundkongress/rkk/downloads/wettbewerb_2004/27_01_altstadt_hbf_dokumentation_12_2003.pdf

http://www.regensburg.de/kulturundkongress/rkk/downloads/wettbewerb_2004/26_europabrunnen.pdf